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Hausratversicherung: Versicherungssumme richtig bestimmen

TC
By The Consumer Clarity Editorial Team
Sep 20268 min read

Key Takeaways

  • •Die Versicherungssumme muss dem tatsaechlichen Wiederbeschaffungswert Ihres gesamten Hausrats entsprechen. Ist sie zu niedrig, greift die Unterversicherung.
  • •Das Pauschalverfahren (650 Euro pro Quadratmeter) ist bequem, aber fuer hochwertige Haushalte oft zu niedrig.
  • •Der Unterversicherungsverzicht schuetzt vor Kuerzungen im Schadensfall und kostet wenig Aufpreis.
  • •Fahrraddiebstahl und Elementarschaeden sind Zusatzbausteine, die separat abgeschlossen werden muessen.

Die Hausratversicherung gehoert zu den am weitesten verbreiteten Versicherungen in Deutschland: Rund 77 Prozent aller Haushalte haben eine. Sie ersetzt den Wert Ihres Hausrats, wenn dieser durch Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruchdiebstahl oder Vandalismus beschaedigt oder zerstoert wird. Die zentrale Frage bei Abschluss und Aktualisierung: Wie hoch muss die Versicherungssumme sein?

Was die Versicherungssumme bedeutet

Die Versicherungssumme ist der Hoechstbetrag, den der Versicherer im Schadensfall zahlt. Sie soll dem Wiederbeschaffungswert des gesamten Hausrats zum Neuwert entsprechen -- also dem Betrag, den Sie aufwenden muessten, um alle Gegenstaende in Ihrer Wohnung neu zu kaufen.

Dazu gehoeren: Moebel, Elektronik, Kleidung, Kueche (nicht die Einbaukueche, die gehoert zum Gebaeude), Buero- und Hobbyausstattung, Vorraete, Fahrraeder, Schmuck und Wertsachen. Unterschaetzt werden regelmäßig: Kinderspielzeug, Buecher, Kuehlschrankinhalt, Werkzeug, Gardinen und Sportgeraete.

Ist die Versicherungssumme zu niedrig und es tritt ein Schaden ein, kann der Versicherer die Leistung anteilig kuerzen. Dieses Prinzip heisst Unterversicherung und ist der haeufigste Grund fuer Aerger im Schadensfall.

Pauschalverfahren vs. Einzelaufstellung

Es gibt zwei Methoden, die Versicherungssumme zu bestimmen:

  • Pauschalverfahren (Quadratmetermethode): Sie multiplizieren die Wohnflaeche in Quadratmetern mit einem Pauschalbetrag, ueblicherweise 650 Euro pro Quadratmeter. Eine 80-Quadratmeter-Wohnung ergibt eine Versicherungssumme von 52.000 Euro. Diese Methode ist einfach und wird von den meisten Versicherern als Grundlage angeboten. Der Vorteil: Bei Verwendung der Pauschale verzichten viele Versicherer automatisch auf die Einrede der Unterversicherung.
  • Einzelaufstellung (Wertermittlung): Sie listen saemtliche Gegenstaende mit ihrem Neupreis auf. Das ist aufwaendiger, aber praeziser. Fuer Haushalte mit ueberdurchschnittlich vielen Wertsachen (Musikinstrumente, Sammlungen, hochwertige Elektronik) ist die Einzelaufstellung die bessere Wahl, da die Pauschale den tatsaechlichen Wert nicht abbildet.

Die Stiftung Warentest empfiehlt: Fuehren Sie die Einzelaufstellung zumindest einmal durch, auch wenn Sie die Pauschale waehlen. So erkennen Sie, ob 650 Euro pro Quadratmeter in Ihrem Fall ausreichen oder ob Sie nachbessern muessen. Dokumentieren Sie den Hausrat mit Fotos oder Videos -- das erleichtert die Schadensregulierung erheblich.

Unterversicherungsverzicht

Der Unterversicherungsverzicht ist eine Klausel, die Sie in Ihrem Vertrag ausdruecklich vereinbaren koennen. Damit verzichtet der Versicherer darauf, im Schadensfall zu pruefen, ob die Versicherungssumme ausreichend war.

Ein Beispiel: Ihr Hausrat hat einen tatsaechlichen Wert von 80.000 Euro, die Versicherungssumme betraegt aber nur 50.000 Euro. Ohne Unterversicherungsverzicht erstattet der Versicherer bei einem Schaden von 20.000 Euro nur 62,5 Prozent, also 12.500 Euro (Verhaeltnis 50.000/80.000). Mit Unterversicherungsverzicht zahlt er die vollen 20.000 Euro -- bis zur Hoechstgrenze der Versicherungssumme.

Der Unterversicherungsverzicht greift in der Regel automatisch bei Anwendung der Quadratmetermethode. Bei Einzelaufstellung muessen Sie ihn separat vereinbaren. Der Aufpreis ist gering und der Schutz erheblich. Die Verbraucherzentrale raet, diese Klausel immer einzuschliessen.

Fahrraddiebstahl richtig absichern

Die Hausratversicherung deckt den Diebstahl eines Fahrrads aus der verschlossenen Wohnung oder dem verschlossenen Keller. Der Diebstahl auf der Strasse -- die mit Abstand haeufigste Variante -- ist standardmaessig nicht versichert.

Fuer den Schutz unterwegs benoetigen Sie den Zusatzbaustein Fahrraddiebstahl. Dieser versichert das angeschlossene Fahrrad auch ausserhalb der Wohnung, oft mit einer Nachtzeitklausel (22:00 bis 06:00 Uhr nur bei Gebrauch). Moderne Tarife verzichten zunehmend auf die Nachtzeitklausel.

Die Versicherungssumme fuer Fahrraeder ist haeufig auf einen Prozentsatz der Gesamtsumme begrenzt (z.B. 1 bis 5 Prozent). Bei einem E-Bike fuer 3.000 Euro und einer Hausratsumme von 50.000 Euro reichen 5 Prozent (2.500 Euro) nicht aus. Pruefen Sie die Hoechstgrenze und erhoehen Sie sie bei Bedarf. Alternativ gibt es spezialisierte Fahrradversicherungen, die auch Vandalismus, Akku-Defekte und Verschleiss abdecken.

Elementarschaeden: Das unterschaetzte Risiko

Elementarschaeden umfassen Ueberschwemmung, Rueckstau, Erdbeben, Erdrutsch, Schneedruck und Lawinen. Diese Risiken sind in der Standard-Hausratversicherung nicht enthalten. Sie muessen als Zusatzbaustein Elementarschadenversicherung (auch: Naturgefahrenversicherung) separat abgeschlossen werden.

Nach den Hochwasserereignissen 2021 im Ahrtal und den wiederkehrenden Starkregenereignissen in ganz Deutschland hat die Diskussion um eine Pflichtversicherung gegen Elementarschaeden an Fahrt gewonnen. Stand September 2026 gibt es keine bundesweite Pflicht, aber mehrere Bundeslaender pruefen entsprechende Regelungen. Der GDV empfiehlt den Einschluss fuer alle Wohnlagen, nicht nur fuer Zonen mit erhoehtem Hochwasserrisiko.

Die Beitraege fuer den Elementarschutz variieren stark nach Wohnort. In der ZUERS-Zone 1 (geringstes Risiko) kostet der Zusatz oft nur 30 bis 60 Euro pro Jahr. In Zone 3 und 4 kann er mehrere hundert Euro betragen oder der Versicherer lehnt den Schutz ab.

Grobe Fahrlaessigkeit

Bei grober Fahrlaessigkeit kann der Versicherer die Leistung kuerzen. Seit der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) 2008 ist eine vollstaendige Leistungsverweigerung nicht mehr zulaessig -- der Versicherer darf nur anteilig kuerzen, und zwar im Verhaeltnis zur Schwere des Verschuldens.

Typische Faelle grober Fahrlaessigkeit: brennende Kerzen unbeaufsichtigt lassen, die Wohnungstuer nicht abschliessen, den Herd anlassen. In der Praxis kuerzen Versicherer in solchen Faellen um 30 bis 70 Prozent.

Viele moderne Tarife bieten den Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlaessigkeit an. Das bedeutet: Der Versicherer zahlt auch dann voll, wenn Sie den Schaden grob fahrlaessig verursacht haben. Stiftung Warentest bewertet diesen Einschluss als wichtig und empfiehlt, Tarife ohne diesen Verzicht zu meiden.

Fazit: Bestimmen Sie die Versicherungssumme sorgfaeltig, vereinbaren Sie den Unterversicherungsverzicht, pruefen Sie den Fahrrad- und Elementarschutz und waehlen Sie einen Tarif mit Verzicht auf die Einrede bei grober Fahrlaessigkeit. Die Beitragsdifferenz zu einem Billigtarif betraegt oft nur 20 bis 40 Euro pro Jahr -- der Unterschied im Schadensfall kann tausende Euro betragen.

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